Eigenbau einer Weitwinkelkamera

Posted by on Jan 28, 2014 in Blog | No Comments

Kaufen kann man Kameras des Formates 6 x 12 cm mit 65 mm Brennweite und 6 x 18 cm mit 90 mm Brennweite von einem Münchner  Hersteller. Die Objektive sind etwas aus der Mitte nach oben fest installiert. Die Entfernung kann über eine Schnecke eingestellt werden.

In meinem Bestand befand sich ein altes verkratztes Schneider Superangulon f  47 mm  5,6.  So keimte der Gedanke an einen Eigenbau. Der nutzbare Bildkreis des Superangulons beträgt etwas über 6 x 9 cm. Ich nehme zwei  Rollfilmkameras aus den dreißiger Jahren, demontiere Frontend und Balgen. Die verbleibenden Filmgehäuse werden durchgeschnitten und im Format  6 x 12 cm zusammengefügt.  Die Hälften der federnden Filmandruckplatte werden auf der Rückseite mit Klingen eines Cutter Messers justiert und mit Sekundenkleber fixiert. Gebohrt wird an der richtigen Stelle für das Bildzählloch. Im Gehäusedeckel wird das Loch mit einem kleinen Rotfilter geschützt. Die Bildfolge zählt sich:  2 – 4 – 6 – 8 – 10 – 12, also sechs Bilder pro Film. Jetzt kommt der „Pfiff“. Die Objektivplatte ist Schwalbenschwanz geführt. Das heißt: Mittels Standbohrmaschine und Kegelfräser, wird die Objektivaufnahmeplatte seitlich schräggefräst. Die Gehäuseaufnahme negativgefräst.  So kann das Objektiv in der Höhe verschoben werden.  Begrifflich „shiften“.
Effekt: Architekturaufnahmen im Querformat von unten nach oben, können senkrecht fotografiert werden. Entfernung ist fixfokus und auf zwölf Meter eingestellt. Die Schärfentiefe reicht, nicht zuletzt wegen der „kurzen“ Brennweite bei Blende 11 von Unendlich bis 4 Meter. Der groß Ring an der Front, dient der Aufnahme eines Polfilters. Die Stativaufnahme kann auch mit zwei Blitzen vom Typ Metz CL 45 bestückt werden.

Architekturaufnahmen des Bahnhofs Liege habe ich auf eine 60 cm breite Rolle Fuji Color Crystal Archive im Blumenkasten entwickelt. Durch starke Abblendung (Blende 32) der Aufnahme, reicht die Schärfe erstaunlicherweise bis in die Vignettierung des Bildkreis.
Fazit: Durch die kurze Brennweite und  dem großem Bildwinkel, bezogen auf das Format, entstanden Bilder von erstaunlicher Dynamik.

Autor: Wolfgang Nettekoven. Kunstschmied, Fotolaborant und  Fotografenmeister.
Kontakt über www.photogen-rheinbach.de

Bildbeschreibungen zu den Kameraaufnahmen:
Bild 1: Der Autor
Bild 2: Eigenbau mit zwei Blitzen
Bild 3: Normaleinstellung
Bild 4: Maximalshift
Bild 5: Normaleinstellung
Bild 6-11: Beispielbilder

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