Back to the roots, oder warum ich „analog“ fotografiere

Posted by on Jan 22, 2014 in Blog | No Comments

Warum gibt es Leute, die sich lieber eine Vinylplatte kaufen als mit einer CD, oder einem MP3-Download vorlieb zu nehmen? Genauso wenig wie man diese Frage eindeutig rational beantworten kann, ist die Antwort auf die Frage, warum ich bis vor zwei Jahren zu einhundert Prozent digital fotografierte und heute meine fotografischen Arbeiten zu ca. siebzig Prozent mit analogem Material produziere. Es ist manchmal einfach nur dieses „besondere Gefühl“, auf das es ankommt.

Analoges Filmmaterial, sei es Dia-, Negativfilm, oder Polaroid hat etwas haptisches. Ich kann es anfassen und halte ein Unikat in den Händen. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, dass manche Leute lieber eine Platte auflegen, als eine digitale Musikdatei auf ihren Musikspieler zu kopieren; man kann es einfach anfassen.

Für mich ist dies aber nicht der Hauptgrund. In der Hauptsache fotografiere ich analog, weil ich den „Look“ von alten analogen schwarz/weiß Fotografien sehr mag. Diese Anwandlungen des „unperfekten“. Ich liebe es, wenn man in einem Foto eine Kornstruktur erkennt und wenn es sehr harte Kontraste hat. Natürlich kann man das alles in der Digitalfotografie mit Software erzeugen, aber für mich ist es nicht das selbe, ob ein Foto analog gemacht wurde, oder ob es nur analog aussieht.

Ein weitere sehr schöner Effekt ist der Überraschungsmoment, wenn man seine analogen Fotos das erste mal zu Gesicht bekommt. Auf der Rückseite meiner Digitalkamera, oder auf dem Bildschirm meines angeschlossenen Computers kann ich das Bildergebnis im Bruchteil einer Sekunde nach dem die Aufnahme entstanden ist begutachten. Sicherlich hat dies seine Vorteile und ist heutzutage für einen professionellen Fotografen unersetzlich, aber wenn man nicht auf die Gunst seiner Kunden angewiesen ist, hat es etwas magisches, wenn man teilweise erst Wochen nachdem man ein Foto „geschossen“ hat das Negativ aus dem Entwicklerbad zieht und nach dem scannen oder printen in der Dunkelkammer erstmals ein Foto vor Augen hat. Dieser Moment ist manchmal mit Enttäuschung verbunden, wenn ein Foto nicht den Vorstellungen entspricht. Für mich persönlich führte dies aber zu der Entwicklung, dass ich heute viel akkurater arbeite und dadurch vielleicht besser fotografiere. Auf der einen Seite ist die Anzahl meiner Fotos begrenzt, da nur eine bestimmte Anzahl von Bildern auf einen Film passt und jeder Film kostet bares Geld. Auf der anderen Seite kann ich bei der Begutachtung des Endergebnisses nicht mehr zu dem Zeitpunkt als das Foto entstanden ist zurückkehren. Wenn das Foto zum Beispiel falsch belichtet wurde, ist der Augenblick für immer verloren. Bei einer Digitalkamera kann ich die Belichtung so oft korrigieren, bis ich mit dem Ergebnis einverstanden bin, oder ich fertige einfach eine Reihenaufnahme mit acht Bildern pro Sekunde an und suche mir später aus 100 Fotos das beste aus. Es führt dazu, das man in der Analogfotografie viel genauer arbeitet, als mit einer Digitalkamera und ich habe bei mir persönlich bemerkt, dass ich viel weniger Ausschuss produziere. So sind neben meiner Digitalkamera meine analogen Kameras zu wichtigen Werkzeugen bei meiner tägliche Arbeit geworden.

Wenn man aber all das weg lässt, so muss man sagen, dass man damit nicht die Welt rettet. Wir machen nur Fotos und das was bleibt, ist manchmal dieses „besondere Gefühl“.

Text und Bilder von Dr. Thomas Mann

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